AUSBLICK: Lichtgestaltungen der Zukunft im öffentlichen Raum

Die energiesparenden und kostengünstigen Leuchtmittel eröffnen große Möglichkeiten, die öffentlicher Räume grundsätzlich umzugestalten und dies in Richtung auf eine unverwechselbare Nachtgestalt der ganzen Stadt anzugehen. Zudem kann je nach Zielsetzung und vorgefundenem Bestand diese Umgestaltung trotz knapper Mittel kurzfristig geschehen, da die fälligen Investitionen durch drastisch eingesparte Betriebskosten zügig refinanziert werden können.

Dieser Vorgang ist in vollem Gange:

- Einige Gemeinden haben begonnen, Masterplanungen "Licht" insbesondere für ihre Innenstädte zu formulieren. Sie führen die "Grundversorgung", die Lichtgestaltung öffentlicher Räume und punktuell auch die künstlerische Gestaltung mit Licht (z.B. im Bochumer Gleisdreieck) zusammen und beginnen auch die Dunkelzonen zu entdecken (z.B. Kölner Rheinpanorama).

- Zur gleichen Zeit werden in ungleich größerem Umfang jedoch die neuen Leuchtmittel für Werbung und Schaufensterbeleuchtungen individuell eingesetzt, ohne dass ihre Wirkung in die öffentlichen Räume hinein zu einer abgestimmten Lichtatmosphäre beiträgt. Erste Beispiele wie die dauerhafte Lichtgestaltung einer Fassade als Informationswand am Potsdamer Platz in Berlin geben einen Vor-Schein einer Entwicklung, die für die Gestaltung der öffentlichen Räume neue Konzepte fordert.

- Die Herausbildung eines dominierenden Informations- und Werbelichts erhält einen zusätzlichen Impuls mit flexibleren Arbeits- und Geschäftszeiten, die den Tag weiter in die Nacht hinein ausdehnen werden.
Auf dem Weg zur neuen Nachtgestalt der Stadt

Es ist hohe Zeit, Licht als Gestaltungsmittel im Rahmen der Stadtgestaltung zu nutzen. Künstlerische Gestaltung mit Licht kann dabei Impulse für die Lichtgestaltung öffentlicher Räume und der ganzen Stadt setzen, wenn sie sich auf ihr städtebauliches und soziales Umfeld bezieht. Sie kann sich auf den geometrisch abgegrenzten Raum beziehen, der mit Aristoteles und Cassirer "als Gefäß des sich darin Bewegenden" begriffen wird. Künstlerische Gestaltung kann aber auch den ästhetischen Raum als Erfahrungsraum (Zimmer) wieder entdecken, also ihren Begriff von Raum neu bestimmen und so städtebauliche Räume interpretieren und als Orte neu schaffen. Unsere Präsentation künstlerischer Lichtgestaltungen in Nordrhein-Westfalen zeigt einzelne gute Ansätze dazu.

Gleichwohl lässt diese Übersicht in ihren Lücken auf weitere und zukünftige Aufgaben für die Lichtgestaltung schließen. Sie können hinweisen auf Entwicklungsrichtungen für eine Lichtgestaltung der öffentlichen Räume und der ganzen Stadt:
Künstliches Licht kann materielle Strukturen verwandeln und aufwerten, kann Räume definieren oder verdecken. Insgesamt kann so die Lesbarkeit der räumlichen, historischen und sozialen Zusammenhänge der Stadt, ihrer Netze und Quartiere mit künstlichem Licht gezielter herausgearbeitet werden als Tageslicht es in einer heterogenen und vielschichtigen Bebauung je könnte. Lichtgestaltung ist ein Mittel der Stadtgestaltung, das behutsam und mit Gewinn für die Stadt und ihre Bewohner ausgebaut werden kann.
Ausblick EmscherPark (Dirk Krüll) [für eine grössere Ansicht bitte anklicken]